Zivilgesellschaft und soziale Bewegungen nach Franco
Das Instituto Cervantes Frankfurt organisiert einen Vortrag, der sich den sozialen und politischen Umbrüchen im Spanien nach dem Tod Francos widmet. Im Mittelpunkt steht die Rolle sozialer Bewegungen und einer zunehmend politisierten Zivilgesellschaft bei der transición von der Diktatur zur liberalen Demokratie. Diese entwickelte sich insbesondere in Nachbarschaftsvereinen, Gewerkschaften, Universitäten sowie in einer alternativen Kulturszene. Gleichzeitig beleuchtet der Vortrag die anhaltende Präsenz franquistisch-revisionistischer Kräfte auch nach 1975, wodurch sich die sogenannten „Dos Españas“ – zwei Spanien – gegenüberstanden und bis heute wieder gegenüberstehen. Der Soziologe Conrad Lluis kartiert zunächst den brüchigen Konsens, der sich in den 1970er- und 1980er-Jahren herausbildete, jedoch nie alle Akteure und Positionen umfasste und bis zur Wirtschaftskrise der späten 2000er-Jahre Bestand hatte. Diese sogenannte „Kultur der Transition“ wurde ab 2011 durch die Platzbesetzungen der Indignados (der Empörten) sowie durch das Auftreten neuer linkspopulistischer Parteien infrage gestellt. Daraus entstand eine Gegenkultur, die sich zwar in linken Regierungswechseln auf staatlicher wie kommunaler Ebene manifestierte, zugleich jedoch eine neoautoritäre Gegenreaktion hervorrief. Conrad Lluis ist Soziologe an der Universität Kassel und hat katalanische Wurzeln. Er ist Autor der Monographie Indignados-Bewegung, Populismus und demokratische Praxis in Spanien, 2011–2016. Derzeit arbeitet er an einem Postdoc-Projekt, das die stationäre Altenpflege in Deutschland und Spanien vergleichend untersucht.
